01/12/2021

Schwangerschaftsvorsorge – Was ändert sich für Rhesus negative Frauen?

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Dank einer neuen, risikoarmen Methode kann jetzt schon während der Schwangerschaft der Rhesusfaktor des Babys festgestellt werden. Zudem wird diese Untersuchung noch in diesem Jahr Kassenleistung werden.


Was ist der Rhesusfaktor?

Der Rhesusfaktor ist eine Blutgruppeneigenschaft, die im Zusammenhang mit Blutgruppenunverträglichkeiten eine große Rolle spielt.

Als Rhesusfaktor werden bestimmte Proteine (auch RhD-Proteine) bezeichnet, die auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen sitzen. Diese Proteine sind nicht bei allen Menschen vorhanden. Fehlt den roten Blutkörperchen dieses Merkmal, gilt das Blut als Rhesus-negativ.

Wenn Rhesus-negative Menschen in Kontakt mit Rhesus-positivem Blut kommen, bilden sie Antikörper (Abwehrstoffe) dagegen, da ihr Immunsystem den Rhesusfaktor als fremd erkennt. Dies spielt auch in der Geburtshilfe eine Rolle und zwar immer dann, wenn eine Rhesus-negative Frau mit einem Rhesus-positivem Kind schwanger ist.

Die Verteilung des Rhesusfaktors schwankt weltweit leicht. In der europäischen Bevölkerung sind ca. 85% der Menschen Rhesus-positiv und nur ca. 15% Rhesus-negativ.

Das Gen für den Rhesusfaktor wird autosomal-dominant von Mutter und Vater an die Kinder weitergegeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei Rhesus-positivem Vater und Rhesus-negativer Mutter das Kind Rhesus-positiv ist liegt zwischen 50 und 100%. Die sogenannte Rhesuskonstellation (Mutter negativ/Baby positiv) ist also gar nicht so selten.

Warum ist dies für die Schwangerschaft wichtig?

Im Falle einer Rhesuskonstellation kommt es ohne weitere Maßnahmen in einigen Fällen zu einer Sensibilisierung der Mutter. Das bedeutet das Immunsystem der Mutter reagiert auf den Rhesusfaktor im Blut des Babys und die Mutter bildet folglich Antikörper dagegen aus. Wird diese Frau später erneut mit einem Rhesus-positiven Kind schwanger, richten sich diese Antikörper gegen die roten Blutkörperchen des Babys und führen zu einer Blutarmut. Diese kann so schwerwiegend sein, dass es zu einer Fehlgeburt kommt.

Eine solche Sensibilisierung der Mutter passiert immer dann, wenn mütterliches und kindliches Blut zusammentreffen. Am häufigsten ist dies während der Geburt der Fall.

Es kann aber auch bei einer Fruchtwasseruntersuchung, einer Fehlgeburt, einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Verletzung des Bauches erfolgen. Selten passiert solch eine Sensibilisierung auch im letzten Schwangerschaftsdrittel ganz von allein.

Was ist die Rhesusprophylaxe?

Um dies zu verhindern gibt es die sogenannte Rhesusprophylaxe. Rhesus-negative Frauen erhalten eine Spritze mit neutralisierenden Antikörpern gegen den Rhesusfaktor. Diese Antikörper binden den Rhesusfaktor bevor das mütterliche Immunsystem ihn als fremd erkennen kann und verhindern so die Sensibilisierung.

Anti-D-Antikörper werden aus menschlichem Blutplasma gewonnen. Rhesus-negative Frauen erhalten die Spritze nach Fehlgeburten, Fruchtwasseruntersuchungen, Blutungen und einmal routinemäßig ca. in der 28. Schwangerschaftswoche. Nach der Spritze ist die Schwangere für ca. 12 Wochen vor einer Sensibilisierung geschützt.

Nach der Geburt wird aus der Nabelschnur die kindliche Blutgruppe bestimmt. Ist das Baby Rhesus-negativ erhält die Mutter erneut eine Anti-D-Prophylaxe.

Seit dem Einführen der Rhesusprophylaxe konnte das Risiko einer Sensibilisierung von ca. 13% auf unter 1% gesenkt werden. Die Rhesusprophylaxe in der Schwangerschaft erhalten allerdings bisher auch einige Frauen, die dies gar nicht benötigen würden, da ihr Baby, genau wie sie selbst, Rhesus-negativ ist.

Was ist neu?

Um die überflüssige Gabe von Anti-D-Antikörpern in der Schwangerschaft zu senken ist es notwendig die Blutgruppe des ungeborenen Babys zu kennen.

Früher war es nur schwer möglich die Blutgruppe des Babys bereits im Mutterleib zu bestimmen. Dazu musste mit einer Nadel durch die Bauchdecke eine Fruchtwasser- oder Nabelschnurpunktion erfolgen.

Diese invasive Methode birgt immer auch ein geringes Risiko hiermit eine Fehlgeburt auszulösen und wird daher nicht routinemäßig durchgeführt. Bisher erhalten daher einfach alle Rhesus-negativen Frauen um die 28. Schwangerschaftswoche die Rhesusprophylaxe.

Durch das Verfahren des NIPT-RhD steht nun eine neue Methode zur Verfügung, die kindliche Blutgruppe zu bestimmen, ohne das Baby dabei zu gefährden.

Was ist NIPT?

NIPT bedeutet ausgeschrieben „nicht-invasiver Pränataltest“ und ist eine Methode um genetische Eigenschaften des ungeborenen Babys aus dem mütterlichen Blut zu bestimmen.

Im Blut einer Schwangeren befindet sich immer auch ein geringer Anteil sogenannter zellfreier DNA ihres Babys. Das sind kleine Fragmente aus kindlicher Erbinformation, die aus dem Mutterkuchen stammen und im mütterlichen Blut eine Weile zirkulieren, bis sie abgebaut werden.

Mit modernen Techniken kann diese DNA herausgefiltert, vervielfältigt und auf genetische Merkmale hin untersucht werden. Es ist also möglich durch eine einfache Blutentnahme bei der Mutter die kindliche Blutgruppe zu bestimmen.

Der Test kann ab der 12. SSW erfolgen und ist sehr zuverlässig, wenn auch nicht zu 100% sicher. Mit dieser Methode lässt sich eine überflüssige Gabe von Anti-D-Antikörpern in der Schwangerschaft in Zukunft vermeiden.

Mitte 2020 wurde der Test in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen. Rhesus-negativen Frauen muss in Zukunft durch ihre Frauenärztin ein NIPT-RhD Test angeboten werden und der Test wird eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

Die Umsetzung dauert noch, voraussichtlich wird diese Neuerung ab Juni 2021 in Kraft treten.

Wo liegen die Vorteile?

Bei den zur Rhesusprophylaxe verwendeten Anti-D-Antikörpern handelt es sich um ein Blutprodukt. Sie werden aus dem Blutplasma von Menschen gewonnen, die Rhesus-negativ sind und selbst hierfür absichtlich sensibilisiert worden sind. Für diese Menschen bedeutet das, dass sie selbst im Notfall nur Rhesus-negatives Blut bekommen können. Dies setzt die Spender selbst einem Gesundheitsrisiko aus.

In Deutschland wird seit dem Jahr 2000 keine Rhesusprophylaxe mehr hergestellt. Das verwendete Plasma stammt aus Übersee.

Die Anti-D-Antikörper können schwere allergische Reaktionen bei der Schwangeren hervorrufen. Außerdem kann bei Blutprodukten, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen, niemals vollständig ausgeschlossen werden, dass auch Krankheitserreger des Spenders mit übertragen werden.

Mit der Bestimmung des kindlichen Rhesusfaktors müssen in Zukunft nur noch die Frauen, die es wirklich benötigen eine Rhesusprophylaxe erhalten. Man geht davon aus, dass die Überflüssige Gabe der Prophylaxe mit dem neuen Verfahren um 40 % gesenkt werden kann.

Fazit: 

Wenn deine Blutgruppe Rhesus-negativ ist wirst du in Zukunft in der Schwangerschaft die Möglichkeit haben dich für einen NIPT-RhD auf Kosten der Krankenkasse zu entscheiden. Dies ist eine gute Möglichkeit überflüssige Medikamentengabe zu vermeiden und in meinen Augen empfehlenswert.

Solltest du dies nicht wollen bleibt es bei der bisherigen Handhabung mit einer Rhesusprophylaxe in der 28. SSW und der Blutgruppenbestimmung deines Babys nach der Geburt.


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